Versichertenbefragung zu Berufskrankheitenverfahren

Jährlich werden rund 75.000 Anzeigen auf Verdacht einer Berufskrankheit gestellt, die Berufskrankheitenverfahren einleiten. Wie zufrieden sind die Versicherten mit diesen Verfahren? Welche Auswirkungen hat es auf die Zufriedenheit, ob das Verfahren zu einer Anerkennung oder zu einer Ablehnung geführt hat? Berufsgenossenschaften und Unfallkassen haben ihre Versicherten befragt. Das Ergebnis der repräsentativen Umfrage: Die Zufriedenheit ist insgesamt hoch, aber Kommunikation, Transparenz und Bearbeitungsdauer sollten weiter verbessert werden.

Das Bild zeigt eine männliche Hand, die aus drei unterschiedlichen Smilies, ein lächelndes Gesicht aussucht.
Die aktuelle Befragung zur Kundenzufriedenheit hat wertvolle Hinweise geliefert, um das Berufskrankheitenverfahren noch weiter zu verbessern.

Die Zufriedenheit der Versicherten ist ein wichtiges Qualitätskriterium im Berufskrankheitenverfahren. Um das Verfahren kontinuierlich zu verbessern, haben alle Berufsgenossenschaften und sechs Unfallkassen ihre Versicherten befragt, die im ersten Halbjahr 2017 eine Entscheidung zu einer Berufskrankheit erhalten haben. Für die Befragung wurden mehr als 24.000 Fragebögen versendet, die Rücklaufquote beträgt 19 Prozent. Insgesamt zeigt sich eine hohe Zufriedenheit, denn zwei von drei Versicherten sind mit ihrem Verfahren zufrieden. „Das zeigt die gute Akzeptanz der Verfahren insgesamt“, fasst Dr. Edlyn Höller, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der DGUV, zusammen. Allerdings sinkt die Zufriedenheit, wenn ein Verdacht auf eine Berufskrankheit nicht bestätigt wurde. „Es ist verständlich, dass das Ergebnis des Verfahrens einen Einfluss auf den Grad der Zufriedenheit hat. Umso wichtiger ist, dass die Entscheidungen für die Versicherten transparent sind und sie gut beraten und informiert werden“, betont Höller.
Die Teilaspekte der Befragung zeigen ein sehr differenziertes Bild. Am besten schneidet der Punkt „Service- und Beratungsqualität/Freundlichkeit“ ab. Vier von fünf Versicherten stellen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Unfallversicherungsträger gute Noten aus. Am anderen Ende der Skala liegt der Aspekt „Bearbeitungsdauer“. Hiermit sind nur etwa drei von fünf Versicherten zufrieden. Die Bewertung bei „Transparenz des Verfahrens“ zeigt, dass die Kriterien, die zu einer Anerkennung oder Ablehnung einer Berufskrankheit geführt haben, gut einem Viertel der Versicherten nicht deutlich geworden sind. „Hier müssen wir nachbessern – mit verständlicher und zeitnaher Kommunikation, mit einer Verkürzung der Verfahrensdauer und mit mehr Transparenz hinsichtlich der gesetzlichen Entscheidungsgrundlagen“, bekräftigt Höller. Der letzte Punkt wird bereits im aktuellen Gesetzgebungsverfahren zur Weiterentwicklung des Berufskrankheitenrechts aufgegriffen: die Verbesserung der Transparenz und die Beschleunigung der Prozesse, die zur Aufnahme einer Erkrankung in die Liste der Berufskrankheiten führen. Diese Vorschläge wurden von der Selbstverwaltung der gesetzlichen Unfallversicherung entwickelt und mit dem Weißbuch „Berufskrankheitenrecht 2016“ vorgelegt.

Web: www.dguv-forum.de (Ausgabe 1/2020)

 

Stichwort:

Berufskrankheitenverfahren
Das Verfahren umfasst den gesamten Prozess von der Anzeige auf Verdacht einer Berufskrankheit, über die Ermittlung aller relevanten Umstände wie Arbeitsvorgeschichte, schädigende Tätigkeiten, medizinische Gutachten bis zum rechtskräftigen Bescheid, ob eine Berufskrankheit besteht oder nicht.

Web: www.dguv.de