2016 erlitten über 10.000 Beschäftigte einen Gewaltunfall am Arbeitsplatz

Der Überfall auf eine Tankstelle, Handgreiflichkeiten von Menschen mit Demenzerkrankungen bei der Pflege, der Schock nach einem traumatischen Ereignis – die Gewalt, die Menschen an ihrem Arbeitsplatz erleben, hat viele Formen. Im Jahr 2016 erlitten über 10.000 Beschäftigte einen Gewaltunfall am Arbeitsplatz. Besonders betroffen ist der Gesundheits- und Pflegesektor. Das geht aus der Arbeitsunfallstatistik 2016 der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) hervor.


Aggressionen und Übergriffe treffen oft Menschen, die im Rahmen ihrer täglichen Arbeit anderen Menschen helfen.

Gewalt am Arbeitsplatz ist ein schwieriges Thema. Wie für alle anderen arbeitsbedingten Gefährdungen und Belastungen gilt: Beschäftigte haben Anspruch auf den Schutz ihrer Gesundheit am Arbeitsplatz. Aber wie viele Personen sind überhaupt betroffen? Nach den Zahlen der Arbeitsunfallstatistik 2016 erlitten 10.432 Beschäftigte einen meldepflichtigen Arbeitsunfall während einer betrieblichen Tätigkeit durch die Einwirkung von physischer oder psychischer Gewalt durch einen anderen Menschen. Betrachtet man allein diese Art der Gewaltunfälle, dann hat deren Zahl in den vergangenen fünf Jahren um rund 22 Prozent zugenommen (2012: 8.534 Fälle). Allerdings hat sich im Jahr 2016 die steigende Tendenz der vorhergehenden Jahre nicht fortgesetzt. „Es ist schwer zu sagen, ob hinter diesen Zahlen auch eine entsprechende Zunahme des Risikos von Gewalt oder Bedrohung steht: So hat beispielsweise in den vergangenen Jahren auch die Beschäftigungsquote zugenommen, gerade in relevanten Bereichen wie der Pflege“, sagt Dr. Joachim Breuer, Hauptgeschäftsführer der DGUV. „Hinzu kommt, dass die Betroffenen möglicherweise stärker sensibilisiert sind und dies auch das Meldeverhalten beeinflusst.“
Besonders gefährdet von Übergriffen Dritter sind grundsätzlich Beschäftigte, die im Rahmen ihrer Arbeit Kunden- oder Patientenkontakt haben. So ereigneten sich 2016 gut 31 Prozent (3.252) aller Übergriffe auf Beschäftigte in Krankenhäusern und Pflegeheimen, ein weiteres Fünftel im öffentlichen Bereich, auf Straßen oder bei der Nutzung von Transportmitteln (2.371). Angriffe können aber nicht nur physische, sondern auch psychische Folgen haben. In 18 Prozent der Fälle wurde eine psychische Folge als schwerste Beeinträchtigung diagnostiziert. Die Betroffenen haben meist etwas Traumatisches erlebt, zum Beispiel einen Überfall. „Berufsgenossenschaften und Unfallkassen sind bei diesem Thema sehr aktiv: Sie bieten den Unternehmen branchenspezifische Präventions- und Beratungsangebote. Die Beschäftigten, die am Arbeitsplatz Opfer von Gewalt werden, erhalten die notwendige medizinische und psychologische Unterstützung“, so Breuer. Das Thema Gewalt gegen Beschäftigte findet auch auf Bundesebene Aufmerksamkeit. In der Entschließung des Bundesrates „Gewaltprävention für gefährdete Beschäftigte in Dienstleistungsberufen“ vom Juli 2017 wird die Durchführung von Gefährdungsbeurteilungen als ein wesentliches Element der Prävention vor Gewalt durch Dritte eingeschätzt. Auch hierbei unterstützen die Berufsgenossenschaften und Unfallkassen die Unternehmen und Einrichtungen.

Web: www.dguv.de > Zahlen und Fakten > Veröffentlichungen > Statistik zum Arbeitsunfallgeschehen 2016