Umgang mit Stress und Gefühlen sollte Teil der Ausbildung im Rettungswesen werden

Sie sind häufig die ersten am Unfallort. Sie retten Leben. Doch der Einsatz der Rettungshelferinnen und -helfer ist mit viel Stress verbunden. Erschöpfung und emotionale Belastungen können die Folge sein, müssen es aber nicht. Eine Studie der Initiative Gesundheit und Arbeit (iga) zeigt: Das Training emotionaler Kompetenzen in der Ausbildung hat einen schützenden Effekt.

Das Bild zeigt eine Rettungskraft, die auf einer Landstraße eine verletzte Person in großer Eile zum einem Rettungswagen schiebt.

Rettungskräfte sind während ihrer Arbeit hohen emotionalen Belastungen ausgesetzt. Oft berichten sie über Depression und Ängste. Daher ist es sinnvoll, die Kompetenzen zur Stressregulierung bereits in der Berufsausbildung zu verankern.

Die Belastungen im Rettungsdienst sind vielfältig. Täglich müssen die Beschäftigten mit Verletzung und Tod umgehen, oft unter Zeitdruck arbeiten. Im Einsatz werden sie behindert oder beschimpft, auch von den Menschen, denen sie eigentlich helfen wollen. Im Rahmen einer Studie der Unfallkasse Nordrhein-Westfalen gaben 64 Prozent von 812 an der Umfrage beteiligten Einsatzkräften an, 2017 mindestens einmal Opfer verbaler, nonverbaler und/oder körperlicher Gewalt gewesen zu sein.
Solche Angriffe können neben physischen Verletzungen auch Stress und Burnout zur Folge haben. „Beschäftigte, die am Arbeitsplatz Opfer von Gewalt wurden, erhalten von den Berufsgenossenschaften und Unfallkassen nicht nur die notwendige medizinische, sondern auch die psychologische Unterstützung“, betont Prof. Dr. Joachim Breuer, Hauptgeschäftsführer der DGUV. „Wichtig ist aber auch, dass sie möglichst früh – am besten schon in der Ausbildung – das Rüstzeug bekommen, um mit schwierigen Situationen in ihrem Beruf umgehen zu können.“
Hier setzt das Training emotionaler Kompetenzen (TEK) an, das den Umgang mit eigenen Gefühlen wie Angst, Trauer oder Wut schult. Es wurde bereits erfolgreich bei Polizeikräften, Lehrkräften und Beschäftigten in der Altenpflege eingesetzt.
Die aktuelle Studie untersucht, ob das TEK während der Ausbildung Rettungskräfte entlastet. Die Resonanz der Teilnehmerinnen und -nehmer war durchweg positiv. Sie berichteten von einer deutlichen Entwicklung ihrer Kompetenz im Umgang mit den eigenen Gefühlen. Das Training schützte sie auch vor emotionaler Erschöpfung sowie vor Zynismus. Es wird empfohlen, das TEK in die Ausbildungscurricula der Rettungskräfte aufzunehmen. Darüber hinaus könnten andere personenbezogene Dienstleistungsberufe in der Erziehung oder Heilerziehungspflege von den positiven Effekten profitieren. Die Studie ist im iga. Report 37 erschienen.

Web: www.iga-info.de > iga.Report 37