Licht spielt für das Sehen und damit für die Sicherheit der Beschäftigten eine große Rolle. Es beeinflusst darüber hinaus das Wohlbefinden und unsere innere Uhr. Aktuell gibt es zu biologischen Lichtwirkungen Normungsvorhaben, die die Kommission Arbeitsschutz und Normung (KAN) kritisch begleitet. DGUV Kompakt sprach darüber mit Angela Janowitz, der stellvertretenden Leiterin der KAN-Geschäftsstelle.

Frau Janowitz, was genau ist biologisch wirksames Licht?

Eines steht fest: Jedes Licht ist biologisch wirksam. Licht hat für das Sehen, aber auch als Taktgeber für unseren sehr individuellen Tag-Nacht-Rhythmus eine zentrale Bedeutung. Über besondere Zellen im Auge verarbeiten wir das Licht und regen im Körper die Produktion von Hormonen an. Das Hormon Melatonin z. B. macht müde und senkt die Aktivität. Auch das Wohlbefinden wird vom Licht beeinflusst. Licht ist allerdings nicht gleich Licht. So sind unter anderem seine spektrale Zusammensetzung und die Tageszeit, zu der man diesem Licht ausgesetzt wird, wichtige Wirkfaktoren. Seit Urzeiten ist die innere Uhr des Menschen an das Tageslicht angepasst: Mittags wirkt es beispielsweise aktivierend, abends eher beruhigend. In der heutigen Arbeitswelt ist das Tageslicht rar und auch die übliche künstliche Beleuchtung der Arbeitsstätten ist im Hinblick auf die biologische Wirkung nicht optimal. Das falsche Licht zur falschen Zeit kann Müdigkeit am Tag oder Schlafstörungen in der Nacht und das damit einhergehende Unfallrisiko verstärken.

Neue Technologien versprechen Besserung, da sie die Zusammensetzung des Lichts gezielter gestalten können. Doch kennen wir die Risiken, wenn wir die biologische Wirksamkeit des Lichtes so nutzen? Liegt der Erfolg der neuen Technologien näher bei einer Waschmaschine oder beim Asbest? Als die Waschmaschine erfunden wurde, hatten die Wäscherinnen Sorge, ihre Arbeitsplätze zu verlieren. Das Gegenteil war der Fall. Außerdem wurden sie körperlich deutlich weniger beansprucht. Asbest hingegen wurde lange Zeit als „Wunderfaser“ gehandelt. Die katastrophalen Auswirkungen sind hinlänglich bekannt.

Befürworter führen an, dass biologisch wirksames Licht das Wohlbefinden steigert und sogar Arbeitsunfälle verhüten hilft. Wie ist hier Ihre Einschätzung?

Tageslicht ist die erste Wahl. So sagt es auch die Arbeitsstättenregel 3.4 „Beleuchtung“. Ist dies nicht oder nur eingeschränkt möglich, könnte der gezielte Einsatz der biologischen Wirkung der Beleuchtung den Beschäftigten nutzen. Dabei muss deren Sicherheit und Gesundheit im Vordergrund stehen. Beispielsweise muss während der Nachtarbeit eine Beleuchtung vermieden werden, die zwar kurzfristig leistungssteigernd und ermüdungsvermeidend ist, den Tag-Nacht-Rhythmus der Schichtarbeiter aber negativ beeinflusst und langfristig gesundheitsschädigend sein könnte.


Jedes Licht ist biologisch wirksam und beeinflusst unser Wohlbefinden: Über besondere Zellen im Auge wird das Licht verarbeitet und Produktion von Hormonen im Körper angeregt

Welche Normungsinitiativen gibt es derzeit zu diesem Thema? Warum sprechen Sie sich im KAN-Positionspapier gegen eine Normung aus?

In der DIN SPEC 67600 „Biologisch wirksame Beleuchtung – Planungsempfehlungen“ werden für Arbeitsplätze z. B. in der Fertigung, im Büro, in Pausen- und Erste-Hilfe-Räumen Empfehlungen zum gezielten Einsatz der biologischen Lichtwirkung gegeben. Die KAN hat sich dazu positioniert.
Zum einen sind diese konkreten Empfehlungen verfrüht, da noch zu viele Bausteine im Wissenspuzzle um das richtige Licht zur richtigen Zeit fehlen. Zum anderen obliegt es vorrangig Staat und Unfallversicherungsträgern, die Ausgestaltung der Arbeitsstätten zu regeln. Die Normung kann hier nach dem „Grundsatzpapier zur Rolle der Normung im betrieblichen Arbeitsschutz“ (FN 2) nur eine eingeschränkte Rolle spielen. Anders ist es bei Produktanforderungen an Lampen und Leuchten. Diese sind in Normen, adressiert an die Hersteller, gut aufgehoben.

Wie kann die KAN hier weiterhelfen?

Die KAN stellt den Dialog mit allen relevanten Kreisen sowie eine sinnvolle Arbeitsteilung in den Vordergrund. Den Auftakt bildete im September 2016 ein KAN-Workshop bei der Firma TRILUX. Der nächste Schritt der KAN besteht in einer Literaturrecherche. Die heute bekannten Studien sind bei der Bewertung der Beleuchtung teilweise widersprüchlich. Unsere Recherche soll arbeitsschutzrelevante Erkenntnisse zusammentragen und zwei wesentliche Fragen beantworten:

Erstens: Was wissen wir schon? Die Antwort sollte an Arbeitgeber, Aufsichtsbehörden und Beschäftigte weitergegeben werden. Der staatliche Ausschuss für Arbeitsstätten und das Sachgebiet Beleuchtung der DGUV setzen sich aktuell damit auseinander, ob und wie sie zu dem Thema informieren könnten. Es ist an der Zeit für diesen Schritt, denn die neuen Beleuchtungstechnologien werden bereits in Unternehmen eingesetzt. Und es ist zu prüfen, ob und welche Rolle Normung überhaupt spielen könnte/sollte.

Zweitens: Wo müssen wir noch weiter forschen? Die Ergebnisse können in die Arbeitsschutzforschung einfließen.

Ziel aller Beteiligten muss der verantwortungsvolle, gesundheitserhaltende Einsatz der neuen Technologie sein, damit wir, um das Bild vom Anfang aufzugreifen, beim Erfolg der „Waschmaschine“ landen.

Angela Janowitz

stellvertretende Leiterin der KAN-Geschäftsstelle