Soziale Absicherung von Selbstständigen verbessern

Sollen Internetplattformen wie AirBnB, Amazon Mechanical Turk und Co., für die Selbstständige tätig werden, Beiträge zur gesetzlichen Unfallversicherung zahlen? Mit einer solchen Forderung stieß DGUV-Hauptgeschäftsführer Dr. Joachim Breuer zu Jahresbeginn eine Debatte über die soziale Absicherung von Crowd- und Clickworkern im Speziellen und von selbständig Erwerbstätigen im Allgemeinen an. Die zunehmende Bedeutung von Internetplattformen für den Arbeitsmarkt erfordere Antworten mit Blick auf soziale Sicherheit und Prävention. Andere Länder erproben bereits Modelle, um Errungenschaften des Sozialstaats fit für neue Formen der Erwerbstätigkeit zu machen.

Das Bild zeigt eine Person, die eine 3D gerenderte Gruppe von blauen Menschen zwischen den Händen hält.
Digitale Technologie macht neue Formen der Erwerbstätigkeit möglich. DGUV-Hauptgeschäftsführer Dr. Joachim Breuer plädiert dafür, diese verpflichtend in die gesetzliche Unfallversicherung einzubeziehen.

Laut einer Studie für das Bundesarbeitsministerium arbeitet derzeit ein Prozent der Beschäftigten als Click- oder Crowdworker. „Das muss aber nicht so bleiben“, sagt Dr. Joachim Breuer. Er verweist auf asiatische Länder, in denen Schätzungen zufolge bis zu 40 Prozent der Erwerbsbevölkerung ihr Einkommen aus Click- oder Crowdwork beziehen. Tatsächlich ermöglichen Internetplattformen neue Formen der Zusammenarbeit, die auf der Einbindung externer Auftragnehmer statt auf klassischen Arbeitsverträgen basieren.
Die Auswirkungen veränderter Erwerbsformen werden in vielen Wirtschaftszweigen bis in klassische Branchen wie den Baubereich hinein sichtbar. Bei der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft sind bereits über die Hälfte der registrierten Unternehmen Solo-Selbstständige. Das Problem: Diese Solo-Selbstständigen verfügen häufig weder über eine ausreichende Absicherung gegen Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten, noch unterliegen sie den Regelungen für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit im gleichen Umfang wie Unternehmen, die Verantwortung für ihre Beschäftigten übernehmen müssen.
Breuer plädiert vor diesem Hintergrund dafür, selbständig Erwerbstätige verpflichtend in die gesetzliche Unfallversicherung einzubeziehen. Ob bei der Finanzierung auch neue Wege beschritten werden – zum Beispiel durch eine Beitragspflicht für Internetplattformen, über die Selbstständige Auftraggeber finden – sei noch unklar. Beispiele aus anderen Ländern reichen von Informationspflichten der Plattformbetreiber bis zur Abführung von Beiträgen an die Sozialversicherung.
„Wir müssen die unterschiedlichen Modelle differenziert betrachten – Plattform ist nicht gleich Plattform“, so Breuer. Es gehe zudem nicht darum, Innovation zu verhindern. „Das Ziel muss sein, die Möglichkeiten der Digitalisierung zu nutzen und gleichzeitig die Erwartungen der Gesellschaft an einen funktionierenden Sozialstaat zu erfüllen.“ Zu berücksichtigen sei hierbei nicht nur die Absicherung gegen Arbeitsunfälle an sich, sondern auch die Prävention. Die DGUV arbeite derzeit an Konzepten, wie Lösungen für Deutschland aussehen könnten.

 


 


STICHWORT

Digitalisierung und soziale Sicherheit

Auch auf europäischer Ebene beschäftigen sich die verschiedenen Akteure mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf die soziale Sicherheit der Erwerbstätigen.

Die Europavertretung der Deutschen Sozialversicherung berichtet hierzu auf ihrer Website:
Web: www.dsv-europa.de