Die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) setzt sich für eine Kultur der Risikoprävention ein und will das Bewusstsein für verbesserte Arbeitsbedingungen in der Staatengemeinschaft schärfen. Von ihrem Engagement und gut ausgebautem Netzwerk profitieren nicht nur Regierungen, sondern vor allem Unternehmen und deren Beschäftigte. In diesem Jahr feiert die EU-OSHA ihr 25-jähriges Jubiläum. DGUV Kompakt sprach mit der Direktorin Frau Dr. Christa Sedlatschek über aktuelle Herausforderungen und künftige Aufgaben.

Das Bild zeigt die Trickfilmfigur Napo bei Arbeiten in der Sonne

Europäischer Botschafter für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz: die Trickfilmfigur Napo zeigt ohne Worte, aber mit viel Sympathie und Humor, Gefährdungen am Arbeitsplatz auf und gibt Tipps für praktische Lösungen.

 

Frau Dr. Sedlatschek, warum traten An­fang des Jahres neue rechtliche Grund­lagen für die EU-OSHA in Kraft?
Mit der am 20. Februar 2019 angenommenen neuen Gründungsverordnung wird die Schlüsselrolle der EU-OSHA bei der Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes am Arbeitsplatz in der Europäischen Union bestätigt und sogar ausgebaut. In Zukunft werden verstärkt neue Entwicklungen in der Arbeitswelt berücksichtigt, ohne weiterhin traditionelle Risiken wie Gefahrstoffe, körperliche und psychosoziale Belastungen aus dem Blick zu verlieren - vor allem bei der Durchführung von Sensibilisierungs- und Kampagnenaktivitäten.

 

Die EU-OSHA thematisiert in der „Kampagne für Gesunde Arbeitsplätze“ aktuell das Arbeiten mit gefährlichen Substanzen, ab 2020 arbeitsbedingte Muskel- und Skeletterkrankungen. Wie gut erreichen Sie die einzelnen Betriebe mit Ihren Botschaften?
Die höchste Zahl von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten ereignet sich immer noch in Kleinstunternehmen sowie kleinen und mittleren Unternehmen, auf die mehr als die Hälfte der EU-Arbeitskräfte entfallen. Daher sind sie unsere wichtigste Zielgruppe. In den letzten 25 Jahren hat die EU-OSHA ein europaweites Netzwerk von Partnern aufgebaut. Über dieses stellen wir relevante Informationen und praktische Instrumente zur Verfügung, wie z. B. das interaktive Online-Tool (OiRA), mit dessen Hilfe eine Gefährdungsbeurteilung auf einfache und kostengünstige Weise umgesetzt werden kann.


Für 2020 ist eine europaweite Umfrage zu Krebsrisikofaktoren am Arbeitsplatz geplant. Welche Branchen stehen dabei besonders im Fokus?
Die Exposition gegenüber Krebsrisikofaktoren gehört in der Europäischen Union zu den häufigsten Ursachen für Berufskrankheiten und arbeitsbedingten Todesfällen und kann in zahlreichen Berufssektoren auftreten. 2020 wird die EU-OSHA mit den Vorbereitungsarbeiten für die computergestützte Telefonstudie beginnen, die jedoch nicht vor 2022 durchgeführt werden soll. Eine Entscheidung darüber, welche Branchen im Fokus stehen werden, wurde noch nicht getroffen. Allerdings ist die Branche nicht die einzige Variable, die bei der Durchführung einer solchen Analyse zu berücksichtigen ist. Auch andere Faktoren wie Alter, Geschlecht, Bildungsniveau, Größe des Arbeitsplatzes, Art des Arbeitgebers und des Arbeitsvertrags müssen unbedingt einbezogen werden.


Die Arbeitswelt befindet sich im Umbruch – die Digitalisierung führt zu neuen Formen der Arbeit, Flexibilisierung von Beschäftigungsformen, Arbeitsorten und Arbeitszeitmodellen - wie können Sie die europäischen Staaten bei dem Wandel unterstützen?
Die Digitalisierung und die damit verbundenen neuen und sich abzeichnenden Arbeitsschutzrisiken sind wichtige Forschungsschwerpunkte der EU-OSHA. Die Aktivitäten in unserem Foresightprojekt zielen darauf ab, Veränderungen vorherzusehen und potenzielle zukünftige Sicherheits- und Gesundheitsrisiken der Arbeitnehmer aufzuzeigen. So soll beispielsweise unsere neueste Forschungsstudie die politischen Entscheidungsträger der EU, Regierungen, Gewerkschaften und Arbeitgeber darüber informieren, wie die Digitalisierung die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten in der EU mittel-und langfristig beeinflussen kann. Hiermit unterstützen wir die Gestaltung geeigneter Arbeitsschutzforschung sowie Richtlinien und Strategien. Heute arbeiten Menschen seltener in traditionell gefährlicher Arbeitsumgebung. Dafür nehmen arbeitsbedingter Stress und ergonomische Risiken zu. Beispiele sind Plattformarbeit, Crowdworking, vermehrte Telearbeit, vermehrte Tätigkeiten in serviceorientierten Branchen wie im Gesundheitssektor, der Anspruch ständig erreichbar zu sein oder häufige Arbeitsplatzwechsel. Das Thema Digitalisierung und Arbeitsschutz wird auch im Mittelpunkt der Kampagne „Gesunde Arbeitsplätze“ stehen, die 2023 beginnen soll.


Seit vielen Jahren vermittelt „Napo“ – eine Trickfilmfigur – Arbeitsschutz mit einem Lächeln. An der Initiative beteiligen sich sowohl die EU-OSHA, als auch die DGUV. Was ist das Erfolgsgeheimnis von „Napo“?
Napo repräsentiert einen typischen Beschäftigten jeglichen Alters in jedem Berufssektor, der oft in schwierige Arbeitsplatzsituationen gerät. Humorvoll und unbeschwert geht er mit Arbeitsschutzthemen um – das macht ihn charmant und liebenswürdig, und man kann sich leicht mit ihm identifizieren. Napo informiert über Risikoprävention in Bildern und in leicht verständlicher Sprache. Er ermutigt die Beschäftigten, eine aktive Rolle bei der Suche nach praktischen Lösungen zu übernehmen. Im Laufe der Jahre hat er sich zu einem Botschafter für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz entwickelt. Die EU-OSHA ist sehr stolz darauf, Mitglied des Napo-Konsortiums zu sein und mit der DGUV und den anderen Mitgliedern zusammenzuarbeiten, um Arbeitsplätze in Europa sicherer, gesünder und produktiver zu machen.
Mehr Informationen zu EU-OSHA unter
Web: https://osha.europa.eu/de

 

Das Bild zeigt Dr.Christa Sedlatschek, die Direktorin der EU-OSHA.

Dr. Christa Sedlatschek
Direktorin der EU-OSHA