Vorläufige Zahlen für erste Jahreshälfte 2017 veröffentlicht

In der ersten Jahreshälfte 2017 haben 223 Menschen ihr Leben durch einen Arbeitsunfall verloren. Das sind 25 tödliche Arbeitsunfälle mehr als in den ersten sechs Monaten des Vorjahres. Auch wenn sich hieraus noch keine Aussagen über die Entwicklung für das Gesamtjahr ableiten lassen, erinnern die vorläufigen Statistiken der gesetzlichen Unfallversicherung daran: Um eine Welt ohne tödliche und schwere Arbeitsunfälle zu erreichen, sind weitere Anstrengungen nötig. Berufsgenossenschaften und Unfallkassen starten daher im Oktober eine neue Kampagne. Ihr Ziel: die Kultur der Prävention in den Unternehmen und Bildungseinrichtungen verändern.

433.037 meldepflichtige Arbeitsunfälle registrierten Berufsgenossenschaften und Unfallkassen vorläufigen Zahlen zufolge in der ersten Jahreshälfte – ein Rückgang von 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 6.654 Versicherte erhielten erstmals eine Rente aufgrund einer unfallbedingten Minderung der Erwerbsfähigkeit. Die Zahl der meldepflichtigen Wegeunfälle stieg dagegen um 5.617 auf 96.915. 2.238 Wegeunfallrenten wurden erstmals ausbezahlt, 30 mehr als in den ersten sechs Monaten 2016. 120 Unfälle auf dem Weg zur Arbeit endeten tödlich, fast genauso viele wie im Vorjahreszeitraum.
„Auch wenn wir es im langjährigen Vergleich mit niedrigen Unfallzahlen zu tun haben, kann uns diese Situation nicht zufriedenstellen“, sagt Dr. Joachim Breuer, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV). Gerade mit Blick auf die tödlichen Arbeitsunfälle dürfe es keinen Stillstand geben. „Jeder dieser Unfälle ist einer zu viel.“

Doch wie vorankommen? Untersuchungen der Unfallversicherung zeigen: Häufig steckt menschliches Versagen hinter schweren Unfällen. Beispiele hierfür finden sich in einer aktuellen Analyse der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und Chemische Industrie (BG RCI): Persönliche Schutzausrüstung wird bereitgestellt, aber nicht getragen. Sicherheitsregeln werden nicht eingehalten, Schutzvorrichtungen an Maschinen manipuliert. „Das sind nur einige typische Vorfälle, die darauf hinweisen, dass Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit nicht immer Vorrang haben – mit dramatischen Folgen“, so der stv. DGUV-Hauptgeschäftsführer Dr. Walter Eichendorf. „Unsere neue Kampagne kommmitmensch verfolgt daher einen neuen Ansatz: Wir wollen die Kultur der Prävention selbst zum Thema machen.“ Die Kampagne hat am 18. Oktober auf der Arbeitsschutzmesse A+A in Düsseldorf ihren Auftakt (siehe Interview in dieser Ausgabe).


Obwohl zuletzt die Anzahl tödlicher Arbeitsunfälle im Vergleich zu
den letzten 50 Jahren relativ niedrig war, zeigt der Zeitraum von 2009
bis 2016, dass sich die Zahlen kaum verändert haben.


 Web: www.dguv.de (Webcode d604439)