Digitalisierung und Berufskrankheiten stehen auf der Agenda

Wie wollen wir in Zukunft arbeiten? Wie soziale Sicherheit gestalten? Die Digitalisierung stellt grundsätzliche Fragen neu – auch aus Sicht der gesetzlichen Unfallversicherung. Dabei geht es nicht nur um neue Formen der Arbeit und damit verbunden um neue Risiken für Gesundheit und Sicherheit bei der Arbeit. Es geht um grundlegende Definitionen von „Arbeit“ und „Beschäftigung“. In der kommenden Legislaturperiode wird die Politik Antworten finden müssen. Auch darauf, wie das Berufskrankheitenrecht weiterentwickelt werden soll.

„Die Digitalisierung beschäftigt alle politischen Parteien“, sagt Dr. Joachim Breuer, Hauptgeschäftsführer der DGUV, mit Blick auf die Wahlprogramme. „Große Übereinstimmung herrscht hinsichtlich des Potenzials, das die digitale Transformation für neue Arbeitsplätze, flexiblere Arbeitsformen, neue Produkte und Mobilitätskonzepte sowie bessere Bildungsmöglichkeiten bietet.“ Die Auswirkungen der Digitalisierung scheinen bislang noch schwer greifbar zu sein. Am Arbeitsmarkt ist das Normalarbeitsverhältnis nach wie vor die Regel. Breuer warnt jedoch vor zu viel Selbstzufriedenheit: „Momentan konzentriert sich die Diskussion um Arbeit 4.0 noch sehr stark auf Arbeitszeiten, mobile Erreichbarkeit und psychische Belastungen. Diese Themen sind auch wichtig – tatsächlich wirft die Plattformökonomie mit ihren flexiblen Arbeitsformen noch viel grundsätzlichere Fragen auf: Wie können aber auch Menschen, die nicht in einem klassischen Arbeitsverhältnis stehen, sicher und gesund arbeiten? Passt unsere Definition von Arbeit überhaupt noch?“ Die Antworten der Parteien zu den Herausforderungen der Digitalisierung bleiben im Detail noch vage. „Hier müssen in den nächsten vier Jahren konkrete Antworten folgen“, fordert Breuer. Er erwarte, dass die neue Bundesregierung den von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles angestoßenen Dialog zu Arbeiten 4.0 fortsetze und verweist auf die Expertise und Lösungskompetenz der gesetzlichen Unfallversicherung.

Diese Kompetenz hat die gesetzliche Unfallversicherung unter anderem mit ihren Vorschlägen zur Weiterentwicklung des Berufskrankheitenrechts unter Beweis gestellt. Mehr Klarheit und Transparenz in den Verfahren sind notwendig und auch der Wandel in der Arbeitswelt stellt das Recht vor neue Herausforderungen. „Die Selbstverwaltung von Berufsgenossenschaften und Unfallkassen hat dem Gesetzgeber mit dem Weißbuch ‚Berufskrankheitenrecht‘ bereits umsetzungsreife Vorschläge für eine zeitgemäße Weiterentwicklung gemacht“, so Breuer. Er hofft, dass die neue Bundesregierung diese gemeinsamen Vorschläge von Arbeitgebern und Versicherten aufgreifen und umsetzen wird.

Web: www.dguv.de (Webcodes d1024619 / dp1038560)

 


 

STICHWORT


Weißbuch „Berufskrankheitenrecht 2016“

Fünf Punkte für die Weiterentwicklung
des Rechts

1 Ursachenermittlung
verbessern

2 Unterlassungszwang
abschaffen

3 Rückwirkung regeln

4 Ärztlichen Sachverständigenrat
(ÄSVB)
im Gesetz verankern

5 Forschung
vorantreiben